Seine beiden Landesmeister-Endspiele in den 1980er Jahren verlor der FC Bayern, der große Finals zuvor immer gewonnen hatte. Dabei fühlten sich die Niederlagen gegen Aston Villa und den FC Porto so vermeidbar an – was allerdings nur teilweise auch wirklich so war.
Gemeinsamkeit: Die Favoritenrolle
Allein durch die große Generation der 1970er Jahre um Franz Beckenbauer und Gerd Müller war der Name der Bayern groß genug, um sowohl 1982 gegen Villa als auch 1987 gegen Porto als Favorit ins Rennen zu gehen. Darüber hinaus wurden die Münchner natürlich auch sportlich jeweils stärker eingeschätzt – zu Recht.
1982 war die Sache knapper, war der Henkelpott in den zurückliegenden fünf Jahren doch ausschließlich an englische Vereine gegangen. 1987 – portugiesische Vereine waren im internationalen Vergleich jahrzehntelang abgefallen – hatte Porto bereits durch seinen Halbfinal-Erfolg gegen Dynamo Kiew für eine Überraschung gesorgt. Im Endspiel rechnete dann eigentlich alles und jeder mit einem Bayern-Sieg.
Gemeinsamkeit: Das dritte Jahr
In den 1970er und 1980er Jahren kam es noch vor, dass der FC Bayern auch mal jahrelang ohne Meisterschale auskommen musste. Zwischen 1974 und 1980 ging der heutige Rekordmeister fünfmal hintereinander leer aus, zwischen 1981 und 1985 zumindest noch dreimal. Danach waren je zwei FCB-Meisterschaften in Folge nötig, um anschließend ins größte Spiel des europäischen Vereinsfußballs einzuziehen: 1980 und 1981 Meister, 1982 Landesmeister-Finalist. 1985 und 1986 Meister (1987 auch), 1987 Landesmeister-Finalist.
Bereits vor dem ersten gewonnenen Henkelpott der Bayern im Jahr 1974 hatte es dieses Muster gegeben.
Gemeinsamkeit: Die Ausfälle
1987 gegen Porto musste der FC Bayern ohne Libero Klaus Augenthaler, Mittelfeldmann Hans Dorfner und Stürmer Roland Wohlfarth auskommen, was natürlich ärgerlich, aber zumindest nicht unausgewogen war. Denn Porto fehlte sein ikonischer Goalgetter Fernando Gomes, zudem fiel in der Abwehr Stütze Antonio Lima Pereira aus. Das hielt sich einigermaßen die Waage.
Ähnlich war es fünf Jahre zuvor gewesen, als sowohl München als auch Villa keine herben Verluste verkraften mussten. Beide konnten auf den eingespielten Stamm zurückgreifen, der in der Vorsaison die nationale Meisterschaft eingefahren hatte.

Unterschied: Erste Hälfte, zweite Hälfte
Wie üblich für englische Mannschaften startete Aston Villa 1982 ziemlich forsch in das Endspiel von Rotterdam. Das beeindruckte die Bayern sichtlich, die in der ersten halben Stunde kaum zu ihrem Spiel fanden und die schwächere Mannschaft waren – bis ein paar Münchner Chancen auf einen Schlag das Finale in ihre Richtung kippen ließen. Fortan, trotz der Niederlage, war Bayern die bessere Mannschaft. Besonders in der zweiten Hälfte.
1987 gegen Porto hatte der FCB in Wien gleich nach offen geführten Anfangsminuten die Kontrolle übernommen. Als es mit der 1:0-Führung durch Ludwig “Wiggerl” Kögl in die Halbzeitpause ging, konnte man sich kaum vorstellen, dass ziemlich passive Portugiesen noch mal ihren Weg ins Endspiel zurückfinden würden – was aber bekanntlich passierte. Genau gegenteilig zu fünf Jahre zuvor fiel die Münchner Leistung nach dem Seitenwechsel enorm ab. Bis zum bitteren Ende.
Unterschied: Die Chancen
Von zwei guten Gelegenheiten verwertete Bayern in der ersten Hälfte des Endspiels von 1987 eine, der FC Porto war vor der Pause bloß durch einen direkten Freistoß gefährlich geworden. Nach dem Seitenwechsel konnte sich der FCB jedoch keine einzige nennenswerte Chance mehr erspielen, während die Portugiesen gleich vier davon hatten und deren zwei nutzten. Die Szene, in der München anschließend noch hätte ausgleichen können, gab es nicht.
Ganz anders waren die Roten 1982 “untergegangen”, mit wehenden Fahnen nämlich. Das entscheidende Tor war Villas einziger Hochkaräter aus dem Spiel heraus, wohingegen Bayern je nach Zählweise auf insgesamt zehn bis zwölf gekommen war – auch nach dem Gegentreffer in der 67. Minute. Einige Gelegenheiten wurden allerdings vom notgedrungen eingewechselten Ersatztorhüter Nigel Spink vereitelt, dessen bis dato letzter Einsatz damals zweieinhalb Jahre zurücklag, was man überhaupt nicht merkte.
Dieter Hoeneß schoss kurz vor Ende sogar noch ein, jedoch eindeutig aus einer Abseitsposition, sodass das vermeintliche 1:1 folgerichtig nicht zählte. Es hätte locker schon das vermeintliche 4:1 sein können.

Unterschied: Mit dem und gegen den Spielverlauf
In Wien erlebte der FC Bayern etwas, woran er sich zwölf Jahre später in Barcelona erinnern würde – wenn auch gegen Porto noch zehn Minuten auf der Uhr waren, als die zuvor noch mit 1:0 führenden Roten ein Doppelschlag ereilte. Die beiden portugiesischen Treffer in der 78. Minute durch Rabah Madjers legendäre Hacke und in der 80. durch den eingewechselten Juary hatten sich aber immerhin angekündigt. Sie hätten durchaus auch früher fallen können.
In Rotterdam hatte Villa in der 7. Minute zwar die erste Chance des Spiels verbucht, bis zum 1:0-Siegtreffer eine Stunde später war jedoch keine weitere dazugekommen. Stattdessen drückte Bayern kurz vor dem Rückschlag vehement auf die eigene Führung, die mehr eigentlich nicht hätte in der Luft liegen können. München verbuchte Chancen en masse, gegen Augenthaler musste kurz vor dem Tor durch Peter Withe sogar auf der Linie geklärt werden. Mehr “gegen den Spielverlauf” ging kaum – anders als fünf Jahre danach.
Gemeinsamkeit: Enttäuschende Stars
Was die Krönung von Karl-Heinz Rummenigges Vereinskarriere hätte sein können, verkam am 26. Mai 1982 zu einem Spiel, das in München auch für die vergebenen Chancen des Ballon-d’Or-Siegers von 1980 und 1981 in Erinnerung geblieben ist. Einen spektakulären Fallrückzieher, der nur knapp neben dem Pfosten landete, hatte man dem explosiven Angreifer zwar freilich nicht vorwerfen können. Doch mehrere andere Hochkaräter ließ Rummenigge ausgerechnet im Spiel der Spiele untypisch ungenutzt.
Noch mal übler lief es am 27. Mai 1987 für Lothar Matthäus, der nach jahrelanger Kritik des Abtauchens in großen Spielen eigentlich unbedingt hätte abliefern sollen. Doch der Kapitän – in Abwesenheit Augenthalers – versteckte sich auf dem Platz regelrecht, konnte das Endspiel in keiner Weise prägen – und bekam hinterher die volle Breitseite an Vorwürfen ab. “Dieses Finale hat uns Matthäus verloren”, polterte Uli Hoeneß; “Matthäus ist kein Chef”, kritisierte Torhüter Jean-Marie Pfaff; von der “Enttäuschung von Wien” schrieb – deutlich – der kicker.
Gemeinsamkeit: Der gleiche Move
Es ist schon ein wenig skurril, wie ähnlich die beiden aus Bayern-Sicht fatalen Gegentore fielen. Eine feine Kombination, die in einen Durchbruch über den linken Flügel mündete, wo Terry Morley und Rabah Madjer ihre Gegenspieler Hans Weiner und Helmut Winklhofer durch ein Abstoppen und direkt folgendes erneutes Beschleunigen ausdribbelten, ehe sie ihre Flanken in die Mitte schlugen – wo Peter Withe und Juary am zweiten Pfosten ungestört einschossen.
Unterschied: Die Mentalität
Über viele Jahrzehnte hat der FC Bayern einigen besser besetzten oder auch im Kollektiv vermeintlich überlegenen Gegnern allein durch den unverwüstlichen Glauben an die eigene Stärke mindestens die Stirn geboten. Jenseits von Real Madrid gibt es wohl kein mental stärkeres internationales Schwergewicht.
Das Endspiel von 1987 stellt in diesem Punkt eine gravierende Ausnahme dar, die Günter Netzer hinterher im kicker schreiben ließ: “Den Bayern haben einfach ganze Kerle gefehlt.” Er hatte recht. In der Münchner Zentrale um Matthäus, Michael Rummenigge und selbst Andreas Brehme, dem ausschließlich Sicherheitspässe attestiert wurden, gab es ein regelrechtes Fliehen vor der Verantwortung. Allein schon räumlich. Von hinten aufrückend hatten Norbert Nachtweih und Norbert Eder das Spiel zu machen – der Rest wich quasi aus. Grob von der 50. Minute an wussten die Bayern, dass Porto nun anders auftreten würde. Doch sie konnten dem nicht den geringsten Funken Entschlossenheit entgegensetzen. Außer vielleicht Wiggerl Kögl mit ein paar optimistischen Dribblings.
An fehlender Mentalität hatte es 1982 trotz ziemlich lascher erster 30 Minuten nicht gelegen. In der Folge übernahm der FCB selbstbewusst die Kontrolle, gab Takt vor und Ton an, hatte Chancen, hatte Elan, kurz vor Schluss gelang Hoeneß zumindest der verwehrte Treffer aus Abseitsposition. Von Rummenigge und auch Anführer Paul Breitner hätte man beim Vorangehen sicherlich noch etwas mehr erwarten können, von einem mentalen Versagen konnte in Rotterdam aber keine Rede sein.
Unterschied: (Un-)Verdient
Wer gewinnt, hat recht, müsste man in der Regel meinen, und 1982 in Rotterdam machte Aston Villa eben das Tor. Die Bayern machten keines. Doch angesichts 60 starker Minuten, vieler eigener Chancen und weniger gefährlicher Aktionen, die man dem Gegner gestattet hatte, wären die Münchner im ersten der beiden Endspiele definitiv der verdientere Sieger gewesen. Gegen Villa war es eine bittere, sehr ärgerliche Niederlage.
Anders 1987 in Wien. Auch wenn bis zum Seitenwechsel eigentlich alles nach Plan verlaufen war, hatten führende Bayern selbst im ersten Durchgang nicht wirklich glänzen können, ehe sie mit Portos Anpassungen und der Steigerung der Portugiesen nicht umgehen und sich gegen die veränderte Statik überhaupt nicht mehr wehren konnten. Diesmal hatte der Gegner das klare Chancenplus, die besseren Einzelspieler und die stärkeren Spielzüge. Dass Porto das Spiel drehte, war nur folgerichtig. Die Bayern verließen als verdiente Verlierer den Platz.
