Cristiano Ronaldo: DAS ENDE EINER LANGEN REISE

Am Tag, als Cristiano Ronaldo sich entschloss, bei Juventus Turin ein neues Kapitel aufzuschlagen, konnte er ein altes endlich beenden. Nach zwölf langen Jahren:

Sein eiserner Wille hat “CR7” schon oft ans Ziel geführt – oder zum Beispiel dahin, dass ein jeder Fußballfan weiß, wer mit diesem einprägsamen Kürzel gemeint ist. Doch manche Dinge kannst du nicht einfach erzwingen. Du musst auch im entscheidenden Moment einen kühlen Kopf bewahren.

Gerade einmal zwölf Sekunden vergingen zwischen dem Moment, in dem ein antizipierender Cristiano Ronaldo einen durch ihn erzwungenen Fehlpass von Giorgio Chiellini zurück auf Gianluigi Buffon erlief – und dem Moment, als nach Lucas Vazquez’ verpasster Chance und Dani Carvajals Flanke auf den sich wieder in Position bringenden Cristiano Ronaldo der Ball im Tor einschlug.

Dabei dauerte die Odyssee des Portugiesen zum heiß ersehnten Fallrückzieher-Tor nicht etwa zwölf Sekunden – sondern mindestens zwölf Jahre.

CR7 befand sich bereits auf der Suche, als er für Manchester United spielte und im Nationalteam noch CR17 war. Endgültig losgetreten wurde diese Obsession wohl, nachdem er 2006 gegen Aserbaidschan ein Fallrückzieher-Tor erzielt hatte – das nicht zählte, obwohl der Ball die Linie eindeutig mit vollem Umfang überquert hatte.

Fortan legte sich der Superstar wieder und wieder quer in die Luft, versuchte es aus sämtlichen Distanzen und sämtlichen Winkeln. Seine hin und wieder ein wenig verzweifelt anmutende Reise setzte sich – gar noch zielstrebiger – im Trikot von Real Madrid fort.

Eine versehentliche Vorlage

Regelmäßig traf ein verkrampfter Cristiano Ronaldo den Ball nicht richtig – oder manchmal gar nicht. In der Saison 2011/12 beförderte er einen Fallrückzieher gegen Getafe zumindest einmal an den Pfosten, 2013/14 gegen Betis legte er, weil die Kugel abrutschte, Mitspieler Alvaro Morata auf diese Weise versehentlich ein Tor auf.

Es schien, als sollte es einfach nicht sein. Denn etwas später in dieser Saison gelang CR7 gegen Granada die perfekte Ausführung, aus sechs Metern aber nicht die perfekte Platzierung. Keeper Roberto Fernandez parierte stark.
 
Am 3. April 2018 hatte Cristiano Ronaldo eigentlich alles erreicht. Zum fünften Mal war er einige Wochen zuvor “Weltfußballer” geworden – auch, weil es ihm mit Real Madrid gelungen war, als erstes Team überhaupt die Champions League zu verteidigen. Ein Jahr zuvor hatte er bereits Portugal als Topscorer zum EM-Titel geschossen – der erste große Triumph seiner Nation, in deren Trikot er 2017 gegen Färöer wenigstens mal per Seitfallzieher erfolgreich war.

Zu perplex, um standesgemäß zu jubeln

Doch dieses eine große Ziel hatte der fleischgewordene Ehrgeiz noch immer nicht verwirklicht. Die lange Reise war noch nicht zu Ende. Bis sie es plötzlich doch war. Und Cristiano Ronaldo sich selbst so sehr überraschte, dass er sogar vergaß, seinen unvermeidlichen Trademark-Torjubel aufzuführen.

Typisch CR7 war es schließlich – auf dem Weg zum dritten CL-Titel in Folge – nach all diesen Jahren das nahezu perfekte Fallrückzieher-Tor zu erzielen. Was die gegnerischen Fans von Juventus dazu bewog, dem Portugiesen anerkennende Ovationen zu spenden. Was diesen dazu bewog, im folgenden Sommer nach Turin zu wechseln.

Seither schießt Cristiano Ronaldo auch als Bianconero Tor um Tor – ein Fallrückzieher war noch nicht dabei. Am Dienstag aber ein Doppelpack beim Comeback-Sieg im Pokal-Halbfinale gegen Inter, als der heutige Jubilar nach einem schlechten Rückpass den Ball erlief – und den Gegner bestrafte. Erzwingen, und im entscheidenden Moment einen kühlen Kopf bewahren.

Deshalb ist ein 36-Jähriger, dem es gelingt, sich immer neue Ziele zu setzen, immer neue Reisen anzutreten, nach wie vor einer der besten Fußballer, die es auf dieser Welt gibt.

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