In der Champions League gibt es mal wieder den europäischen Klassiker, FC Bayern München gegen Real Madrid. Mehr geht wohl nicht – seit den ersten Duellen vor inzwischen 50 Jahren.
1. Die Premiere
13-mal trafen der deutsche und der spanische Rekordmeister bisher in Landesmeister-Cup und Champions League in K.-o.-Duellen aufeinander, das war die Premiere. Im Halbfinale 1975/76, Real hatte sich zuvor glücklich gegen Borussia Mönchengladbach durchgesetzt, gewann Bayern nach einem 1:1 in Madrid das Rückspiel in München mit 2:0 – und anschließend ein drittes Mal hintereinander auch den Henkelpott.
2. Pfiffe für die “Legionäre”
Bei den Königlichen spielten damals Günter Netzer und Paul Breitner, der aus München nach Madrid gegangen war. Beide wurden im Rückspiel im Olympiastadion bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen, da war das Publikum unnachgiebig.

3. Mitarbeiter Müller
Alle drei Münchner Tore gingen auf das Konto von “Bomber” Gerd Müller, dessen Ausgleich im Hinspiel von den TV-Kameras gar nicht eingefangen wurde. Es gab auch keine Wiederholung. Doch Müller lieferte nicht nur die Treffer: Noch öfter als für eine sporadische Teilnahme am Kombinationsspiel ließ sich der Mittelstürmer fallen, um defensiv mitzuarbeiten. Zur “Belohnung” wurde er nach dem Schlusspfiff in Madrid von einem wütenden jungen Fan niedergestreckt, der das Gleiche auch noch mit Schiedsrichter Erich Linemayr tat, woraufhin Real drei Europapokal-Heimspiele nicht in Madrid austragen durfte.
4. Katsche stürmt
Wer Georg “Katsche” Schwarzenbeck den “Putzer des Kaisers” nennt, glaubt wahrscheinlich auch, dass der sachliche Verteidiger nur beim legendären Ausgleich im ersten Landesmeister-Finale 1974 gegen Atletico überhaupt mal bis in die gegnerische Hälfte mitgekommen ist. Wer aber rückte schon in den ersten zehn Minuten des Hinspiels gegen Real zweimal bis an Madrids Sechzehner vor und zog jeweils aus rund 20 Metern ab? Katsche! Und dabei beließ er es nicht.
5. Kaiserlich
Bayerns erste Duelle mit Real sind auch wunderbarer Anschauungsunterricht, was für ein begnadeter Fußballer Franz Beckenbauer war. Besonders sein Auftritt im Bernabeu war schlicht kaiserlich. Defensiv präsent, offensiv das perfekte Timing, mit Ball am Fuß nahezu unantastbar – und allen anderen in diesem Spiel gedanklich einfach voraus. Nach dem dritten Henkelpott in Folge und dem erneuten Erreichen des EM-Endspiels wurde Beckenbauer 1976 wie schon 1972 mit dem Ballon d’Or ausgezeichnet.
6. Nur die Ruhe
Die große Bayern-Mannschaft der 1970er Jahre beherrschte eine Fähigkeit, die ihr gegen viele Equipen dieser Ära einen entscheidenden Vorteil verschaffte: Sie verstand es hervorragend, den Ball zu halten. Gute Raumaufteilung, saubere Technik, geduldig hin und her spielen. Viele Gegner, die kein koordiniertes Pressing spielten, wurden von diesem effektiven An-der-Uhr-Drehen ein wenig “eingeschläfert” und aus dem Konzept gebracht. Auch ein sehr direkt spielendes Real kam 1976 so nie wirklich zu Phasen des Dauerdrucks.
7. Del Bosque
Ein interessanter und für damalige Verhältnisse moderner Spieler, der die Fähigkeiten für geduldiges Ballbesitzspiel mitbrachte, war Spaniens späterer Weltmeister-Trainer Vicente del Bosque. Ein verlagernder “Sechser” in der Schaltzentrale mit einer gewissen Physis und guter Technik, dem Gefühl für den richtigen Pass und nachrückende Läufe in die Spitze. Es sind eben oft diese Spielertypen, die später an der Seitenlinie landen – erfolgreich.

8. Die Deutschen
Ob es an den Pfiffen lag? Während Netzer in Madrid noch einzelne gute Akzente setzen konnte – Breitner fehlte im Hinspiel -, nahm der große Spielmacher in München ähnlich wenig Einfluss wie der noch deutlich jüngere Breitner, der den Ball viel weniger forderte und trieb als später. Vielleicht ja ein wenig Nervosität an alter (und künftiger) Wirkungsstätte. Über Netzer, der unter Trainer Miljan Miljanic 1974/75 noch mal topfit geworden war, muss man sagen: 1975/76 war der einstige Gladbacher dann über dem Zenit. Nach dieser Saison verließ er Madrid, ein Jahr später hängte er die Schuhe an den Nagel.
9. Ganz wichtig, der Schiedsrichter!
Benachteiligt wurde – anders als zuvor gegen Gladbach – Real. Nach einem “skandalfreien” Hinspiel in Madrid blieb den Königlichen beim Stand von 2:0 in München ein glasklarer Foulelfmeter an Santillana versagt, woraufhin der Mittelstürmer wegen des rüden Fouls von Johnny Hansen nicht weiterspielen konnte. Kurz darauf schoss Carlos Guerini angeblich ein Abseits-Tor (zum vermeintlichen 2:1), das gar keines war. Den Bayern war zu Hause schon zuvor ein Handelfmeter verwehrt worden, was für sie schlussendlich nicht ins Gewicht fiel.
10. Richtig so
Sowohl das 1:1 in Madrid als auch das 2:0 in München gaben die Kräfteverhältnisse 1976 weitgehend wieder. Die personell merklich sehr eingespielte Bayern-Mannschaft mit dem vielseitigeren Spiel und den herausragenden Einzelspielern Beckenbauer und Müller setzte sich im ersten Duell mit Real verdient durch. Inzwischen führen aber die Spanier die direkte Bilanz an, die ihr deutsches Pendant bisher in 8 der 13 Fälle eliminierten.
