George Best war ein großer Star, der fußballerisch früh zu verblassen begann. Doch wie gut spielte er auf seinem Zenit? Und wie spielte er überhaupt? Sein Auftritt im Landesmeister-Finale 1968 gegen Benfica, als Manchester United als erstes englisches Team den Henkelpott gewann, liefert spannende Ansatzpunkte.
Was war Bests Rolle?
In Uniteds grobem 4-3-3, in dem einige Positionen jedoch nicht unbedingt festgetackert waren, gab Best im ersten Durchgang den Rechtsaußen. Die beiden Außenstürmerpositionen waren ziemlich fix, wodurch Best dort in den ersten 45 Minuten relativ isoliert und vor allem die erste Anspielstation in Umschaltsituationen war. In diesen sollte er durch seine Dynamik und sein Dribbling glänzen. Zunächst gelang das aber kaum. Weil ihm einerseits übermotivierte Schludrigkeiten unterliefen, andererseits wurde er oft gefoult, weil seine geschmeidigen Finten kaum fair zu verteidigen waren.
Grundsätzlich half es Best nicht, dass Manchester zunächst mehr über links spielte, wo Linksaußen John Aston mit seinem Tempo und seinen Durchbrüchen überragend ins Endspiel fand. Bis zur Pause war Best ganz klar nur zweitbester Außenstürmer Uniteds. Ihm war übrigens eine auffällige Anspannung und/oder Gereiztheit anzumerken, bei etlichen Fouls gegen ihn echauffierte sich der Publikumsliebling massiv.
Schon kurz vor dem Seitenwechsel hatte sich die Nummer 7 ab und an nach links orientiert, um mehr am Spiel teilnehmen zu können – danach spielte Best dann tatsächlich als zentraler Angreifer. Vielleicht auch, weil der junge Brian Kidd, der den verletzten Denis Law ersetzen sollte, kein klassischer Mittelstürmer war. Neben Kidd (das Finale stieg an seinem 19. Geburtstag) und Aston (21) war Best mit gerade 22 sogar der Senior in Manchesters Angriffsreihe.
Durch seinen Wechsel ins Zentrum – der vielseitige Pat Crerand übernahm rechts – wurde Best nicht nur viel besser ins Spiel seiner Mannschaft eingebunden, er avancierte auch zu ihrem gefährlichsten Offensivmann. Ob durch Dribblings, Pässe oder Abschlüsse: Es wurde sehr deutlich, dass der Flügelmagier weit mehr war als das. Wenn auch definitiv eher “Zum-Tor-Zieher” als Spielmacher.
Was war es für ein Spiel?
Die erste Hälfte war zäh. Benfica merkte man an, dass die Mannschaft nach vier Landesmeister-Endspielen zwischen 1961 und 1965 über dem Zenit war. Außer Eusebio, der nach einer tollen Einzelaktion in der 12. Minute die Latte traf, und ruhenden Bällen kam von den Portugiesen quasi nichts. Das deutlich potentere und gewilltere United präsentierte sich ob der großen historischen Chance aber noch zu nervös und daher unsauber.
In den zweiten Abschnitt starteten die Red Devils entschlossener, die Führung durch Kapitän Bobby Charlton in der 53. Minute war hochverdient. In der Folge bäumte sich Benfica zumindest fünf Minuten lang auf, wurde von United anschließend aber am Leben gelassen – sodass die Portugiesen in der Schlussphase noch mal nachlegen konnten. Die klare Absicht waren hohe Hereingaben auf den baumlangen Stürmer José Torres, nach dessen Hereingabe Jaime Graca in der 80. Minute ausglich. In der 88. Minute hatte Eusebio dann sogar die große Siegchance auf dem Fuß, doch er schoss aus vollem Lauf zu mittig auf Alex Stepney, der eine starke Parade zeigte. Anschließend kam es zur berühmten Szene, in der Eusebio dem United-Keeper anerkennend gratulierte.
Die Partie ging also in die Verlängerung, die allerdings schnell entschieden war. Best besorgte nach einem langen Ball durch ein, zwei geniale Einlagen das 2:1 (93.), weitere Tore von Kidd (94.) und Charlton (99.) machten den Deckel frühzeitig drauf. Wenn auch vielleicht nicht in dieser Deutlichkeit hatte das deutlich potentere United sich den heiß ersehnten Henkelpott 1968 zweifelsohne verdient.
Gewann United wegen Best?
United war als Mannschaft so gefestigt und in diesem Endspiel überlegen, dass es wohl keinen Spieler gab, ohne den der Finalsieg nicht denkbar gewesen wäre. Selbst Organisator und Antreiber Charlton drückte dem Spiel nicht über die gesamte Dauer unverzichtbar seinen Stempel auf. Dafür agierte er auch zu tief.
Der wichtige 2:1-Führungstreffer – kurz nach Beginn einer Verlängerung, vor der United fast noch verloren hätte – war trotzdem auf eine überragende Einzelleistung Bests zurückzuführen, die etwaige Zweifel bei den “Hausherren” in Wembley rasch wieder beseitigte. Daraufhin folgten die Tore drei und vier – wer weiß, ob das auch ohne Bests “Eröffnung” so gelaufen wäre.
War Best der beste Spieler auf dem Platz?
Zunächst definitiv nicht, seine Leistung in der ersten Hälfte war noch überschaubar. Vor der Pause war Aston der Star. Doch anschließend kam Best dem “Mann des Spiels” immer näher, wurde er noch zentraler für Uniteds Offensivspiel als Charlton. Zumal er nun auch motiviert hinten mitarbeitete, was im ersten Durchgang noch überhaupt nicht der Fall gewesen war.
Über die gesamte Spieldauer muss man zumindest sagen, dass Best durch seine Aktionen als fähigster Spieler rüberkam, die Uniteds Sieg hinten raus ja doch auch ziemlich zuträglich waren. Zwar war er nicht eindeutig der beste Spieler auf dem Platz, müsste ich mich jedoch für einen entscheiden, würde meine Wahl knapp auf ihn fallen. Obwohl der eigentliche “Man of the match” als wichtiger Anker, als würdiger Kapitän, als einstiges “Busby Babe” und als zweifacher Torschütze irgendwo Charlton war.
Als der Henkelpott gewonnen war, fielen sich die beiden, die sich ob ihrer Unterschiede eigentlich gar nicht so gut leiden konnten, herzlich in die Arme. Ein schönes Bild.

Fazit
Eine Woche nach seinem 22. Geburtstag setzte George Best seiner Laufbahn bereits die Krone auf. Im Verein. Aber mit der nordirischen Nationalmannschaft waren ihm Hände und Füße ja irgendwo gebunden. Und der Ballon d’Or würde 1968 auch noch folgen. Wie auch schon der Absturz, wie mehrere Kollegen schilderten und die Leistungen zudem suggerierten. Die große Berühmtheit, gepaart mit der Alkoholabhängigkeit, wurde Best noch in seinen frühen Zwanzigern zum Verhängnis.
Das große Endspiel gegen Benfica, selbst wenn es der Anfang vom Ende war, stellte Bests außergewöhnliche Fähigkeiten unter Beweis. In ihrer ganzen Bandbreite. Erst die frustrierten und frustrierenden Einzelaktionen, auch einen gewissen Jähzorn. Ab nach der Pause dann aber auch schlicht die gesamte Palette eines der ganz großen Spieler der Fußballgeschichte. Zwar legte Best gerade auf Dauer nicht eine gewaltige Karriere hin wie andere Granden dieses Sports. Doch auf seinem Höhepunkt war er der verdiente beste Spieler Europas. In diesen Jahren brauchte er sich, und das nicht bloß als Dribbler, vor niemandem zu verstecken. Selbst historisch nicht.
