Sein berühmtestes Spiel spielte Diego Maradona im WM-Viertelfinale 1986 gegen England. Sein bestes aber war das Halbfinale gegen Belgien, in dem er das höchste Level erreichte, auf dem ich je einen Fußballspieler gesehen habe. Ein Nacherleben:
“100 million” stand auf einem der Zettel, die an Michael Jacksons Kühlschrank klebten. Zettel, auf denen der größte Star der Entertainment-Branche seine gewaltigen Ziele für das erste Album formulierte, das auf seinen urknallartigen Mega-Erfolg “Thriller” folgen sollte. Für ein Album, das zwar immer noch herausragend werden konnte, aber eben kein “Thriller”. Jackson wusste das. Und ließ sich bis zu “Bad”, das sich keine 100 Millionen Mal verkaufen würde, deshalb fast fünf Jahre Zeit.
Diego Maradona musste sein Meisterwerk, den Auftritt im WM-Viertelfinale 1986 gegen England mit “Hand Gottes” und “Tor des Jahrhunderts”, schon drei Tage später wiederholen. Und beinahe die gesamte Weltöffentlichkeit schaute dem größten Star der Fußball-Branche dabei zu.
“He is a cut above the rest”, kommentiert John Motson, während sich Argentiniens Genie noch mal den Nacken ausschüttelt und die Beine dehnt, für die englische BBC, die diesem Satz wegen der Geschehnisse aus der Runde zuvor womöglich gern ein zusätzliches “n” untergejubelt hätte. Doch ein Journalist hat zu berichten, was ist. Und an diesem 25. Juni 1986 schwebt Diego Maradona über allen. “Is he going to lead Argentina through to the final?” Wenige Sekunden später ertönt der Anpfiff zu einer rund 90-minütigen-Antwort.
Bereits in den Momenten zuvor hatte der 25 Jahre junge Kapitän siegessicher die Faust gereckt und den Gesichtern seiner Kameraden Blicke zugeworfen, die ihnen die gleiche Siegessicherheit und das nötige Selbstverständnis einflößen sollten. Um das Ganze zu untermauern, begeht Maradona in der achten Spielsekunde das erste Foul. Beim Zulaufen auf die vorletzte Hürde pickt sich selbst ein “Göttlicher” nicht nur die Rosinen raus. Aber schon auch.
Noch in der ersten Minute vollführt Diego eine Art Drehung, die man Jahre später wahrscheinlich als Zidane-Trick bezeichnet hätte, unmittelbar gefolgt von einem geistesgegenwärtigen Außenristpass zu Sturmpartner Jorge Valdano, weil die Belgier Maradona natürlich gleich zu dritt attackieren. Weil sie schnell merken, dass er, der seine Gala gegen England noch etwas gemächlicher angegangen war, das Gaspedal diesmal von Beginn an durchdrückt. Doch um hier noch irgendetwas im Keim zu ersticken, dafür ist es im Estadio Azteca zu Mexico City jetzt schon zu spät.
Diego strotzt nur so vor Kreativität, die sich in einer frechen Freistoßvariante niederschlägt, bei der er beweist, dass er den Ball mit seinem magischen linken Fuß genau dorthin spielen kann, wohin er ihn spielen will. Der große Star hat aber auch einen klaren Kopf und einen klaren Plan, auf den sich das ganze Team ausrichtet: Aus der letzten Verteidigungsreihe hält sich Diego fern, größtenteils auch aus dem Maschinenraum im zentralen Mittelfeld. Hier und heute ist er für das zuständig, was im Angriffsdrittel passieren soll. Und dessen nimmt sich der gedrungene Linksfuß vollumfänglich an.
Argentiniens ersten Abschluss bereitet er, den die Belgier vergeblich abzuschirmen versuchen, im Rückwärtsgehen vor, mit dem Außenrist aus dem Fußgelenk. Ein locker leichter Pass, wie man ihn in dieser Ausführung keinem der restlichen 21 Spieler zutrauen würde. Ganz wie Motson sagte. Es entlockt dem Kommentator ein kurzes Aufstöhnen der Begeisterung, als Diego den Ball ansatzlos mit der Hacke weiterleitet. Aus der Luft.
Da, ein Erfolgsmoment für die Belgier. Eric Gerets wirft sich Maradonas erstem Schuss in den Weg, ein kleiner Etappensieg für die dauerhafte Dreifachverfolgung. Ein rasches emotionales Auf-Ab für die argentinisch dominierten steilen Ränge aus Beton, die durch all die weiß-himmelblauen Flaggen zu einem einzigen verschmelzen. Beinahe beginnt selbst der Beton zu zerfließen, wenn der Ball wieder seinen Weg zu Diego findet. Weil jede seiner Berührungen eine Streicheleinheit ist. Als wäre die Kugel seine neue Freundin, deren Hand er auch auf der Einkaufsmeile nicht mehr loslässt, weil sie jetzt ohnehin schon zusammen gesehen wurden.
Doch Diego kann auch anders. In der neunten Minute knallt er den Ball ganz unverblümt so wuchtig aus 25 Metern aufs belgische Tor, dass Jean-Marie Pfaff ihn gar nicht kontrolliert abwehren kann. Valdano stürmt heran – und staubt mit dem Oberkörper ab. Oder mit dem Arm? Bei Argentinien geht der sichtlich ergraute Schiedsrichter Antonio Marquez aus Mexiko nach dem England-Spiel kein Risiko ein. Der Treffer zählt nicht. Eine harte Entscheidung.
Der argentinische Strafraum ist bislang verbotene Zone. Diegos Eleven funktioniert von 1 bis 11. Doch damit so richtig was passiert, muss er beteiligt sein. Eine Bürde, die verpflichtet. Ein Moment der Besinnung, als er sich auch mal einen Fehlpass erlaubt – um den Ball wenige Augenblicke später mit der gleichen Dynamik zurückzuerobern, als würde er in Richtung Tor dribbeln. Gelungener kurzer Realitätscheck. Man kann sich ja auch selbst betören. Und Diego wuselt mit einer Überlegenheit, die auf Dauer doch unterfordern muss. Doch es gibt nun mal kein höheres Niveau als das letzte Spiel vor einem WM-Finale, dessen Erreichen gerade jeder von dir erwartet. Von dir allein.

Diego steckt an. Mit seinem unermüdlichen Motor, mit seiner Zweikampfführung. Mit seiner Maradonahaftigkeit. Auf einmal wagt auch Arbeitsbiene Jorge Burruchaga eine Pirouette. Diego bindet sie alle mit ein, durch diese kleinen Kontakte, durch diese einen Kontakte. Kaum ist der Ball da, schon ist er wieder weg, ehe die nächsten drei Belgier angeschossen kommen. Maradona spielt mit der Übersicht eines Fernsehzuschauers.
Fehlt eigentlich nur noch das Tor. Doch das fehlt eben. Mitte der ersten Hälfte erspielt sich Belgien erstmals Selbstvertrauen. Daraufhin lässt sich Diego fallen, mischt sich auf dem linken Flügel ein, was er grundsätzlich immer dort tut, wo er seiner Mannschaft gerade helfen zu können glaubt. Wem es gelingt, hinter den Genuss der Geniestreiche zu blicken, erkennt hier auch einen Ausnahmekönner auf seinem körperlichen Zenit. Diegos Dauerdynamik stellt ebenfalls ein anderes Level dar.
Motson erkennt und lobt die “Einfachheit” in Maradonas hochintelligentem Spiel, von der Johan Cruyff ja gern sagte, dass genau sie im Fußball das Schwierigste sei. Vom Teufelsdribbler Diego, der es mit vier, fünf, sechs Gegenspielern aufnimmt, ist noch gar nichts zu sehen. Wäre es mal an der Zeit? Denn sein Glück schöpft Argentinien frühzeitig aus, als die Belgier durch zwei wahnsinnige Abseitsentscheidungen zurückgepfiffen werden – was sich im Laufe der 90 Minuten immerhin einigermaßen ausgleicht.
Was sich nicht ausgleicht, sind die Fähigkeiten. Der Spieler mit der besten Ballbehandlung, der Spieler mit dem meisten Einsatz, der Spieler mit den genialen Ideen, der Spieler mit der eindringlichsten Körpersprache, das ist alles ein und derselbe Mann. So ein bisschen erscheint das, was Diego tut, wie eine andere Sportart. Zumindest wie eine modernere Variante. Pässe von fast schon unverschämter Perfektion sind längst glaubwürdiger als die, die unverständlicherweise nicht ankommen.
Gönnt sich Maradona schöpferische Pausen, und das perfekte Spiel ist auch dieses nicht, haben die meisten Aktionen der kollektiv überlegenen Argentinier plötzlich kaum noch Hand und Fuß. Ja. Und dann muss er halt wieder.
32. Minute: Diego setzt sich auf der rechten Seite nach einem langen Ball körperlich durch und serviert auf dem Silbertablett für Ricardo Giusti, der seitlich im Strafraum relativ ungestört so kläglich vorbeischießt, dass man jeden verstehen könnte, der sagen würde: ‘Also den hätte ich zumindest aufs Tor gebracht.’ Maradonas Vorarbeit veranschaulicht derweil, dass seine Genialität keine ist, die seine Mitspieler nicht verstehen können. Sie können sie nur nicht veredeln.
Doch Diego verteilt Zuspruch statt Beschwerden. Unbehelligt dribbelt er vor Werbebanden von “Canon”, “Philips”, “Camel” oder “Gilette” wieder und wieder an, während sich allmählich ein Schwung Sonnenlicht seinen Weg auf Teile eines holprigen Spielfelds bahnt, das selbst dem Überflieger ein paar Bälle verspringen lässt. Nicht vorzustellen, was dieser Mann an diesem Tag auf einem Teppich gezeigt hätte. Dann ist Halbzeit.
Durchschnaufen, zu sich kommen, beraten. Weil das 0:0 natürlich zu wenig ist. Weil Belgien stärker wird. Der Kapitän versammelt seine Mannen im Bauch dieses epochalen Stadions, um eine kurze Brandrede zu halten. Und um zu erkennen, wie er später in seinem Buch “Touched by God” schreibt, wie eingeschüchtert die tapferen Mitstreiter danach wirken. Woraufhin Maradona beschließt: “Ich muss dieses Spiel allein gewinnen.”
Das TV-Bild flackert noch immer, als die Mannschaften wieder einen Rasen betreten, über dessen unwürdigen Zustand Gary Lineker bis heute spricht. Die meisten Farbabweichungen sind keine Übertragungsfehler. Doch Diego gleitet weiter. Er reißt Räume auf für Valdano, der immerhin für Real Madrid stürmt, doch an diesem Tag keine Gefahr darstellt.
Diegos Denkprozess ist richtig, mehr Platz haben die anderen. Als er sich wieder selbst einschaltet, ein schneller Antritt im Konter, wird er sofort gefoult. Die Belgier werden cleverer, gewiefter, aufmüpfiger. Kriegen sie Maradona zu greifen, können sie es vielleicht schaffen.
Doch das kriegen sie nicht. “The man they can’t contain”, ertönt Motsons Stimme, “producing a goal out of almost nothing”. Burruchaga schlägt in der 52. Minute einen feinen Steilpass mit dem Außenspann, aber Diego kreiert dieses Tor. Durch einen Sprint hinter zwei Verteidiger, noch verfolgt von zwei weiteren, ist er als Erster am Ball, den er seinerseits mit dem Außenspann, aus einem für einen Linksschuss eigentlich kaum möglichen Winkel, ins lange Eck küsst. Einmal hüpft das Runde noch auf, ehe es sich ins seitliche Netz des Eckigen schmiegt. Diego ist da schon in Richtung Eckfahne unterwegs.

Neongelb leuchten die dünnen Jäckchen der Verkäufer, die Essen und Getränke durch die Zuschauerränge tragen, und doch fällt das kaum jemandem auf. Unverändert bleiben sämtliche Augenpaare an den hypnotischen Bewegungen der argentinischen Nummer 10 hängen. Die Nummer 11, Valdano, köpft aussichtsreich ein ganzes Stück drüber, doch inzwischen ist das egal. Jetzt entwickelt sich das Halbfinale der Weltmeisterschaft zu einer One-Man-Show.
Diego hebt den Ball nach einer Annahme mit der Brust über Belgiens Feingeist Enzo Scifo, der seinen übermächtigen Gegenspieler daraufhin zu Boden stoßen will. Doch das Kraftpaket bleibt standhaft und dribbelt weiter, bis nicht der Vorteil gegeben, sondern der Freistoß gepfiffen wird. Man, man, man. Haben sich all die Einheiten mit Personal Trainer Fernando Signorini für mehr Balance und Stabilität also doch nicht ausgezahlt. Fingerspitzengefühl, Herr Schiedsrichter!
Doch solche Situationen stacheln Diego nur an. Er springt mit angezogenen Beinen über eine Grätsche hinweg und spielt unmittelbar danach in Sekundenbruchteilen einen Gassenpass, ehe die nächste kommen kann. Aktion für Aktion zaubert sich der Hochbegabte in einen Rausch, mit Einfällen, deren Möglichkeit alle anderen noch nicht einmal begreifen. Motson und sein prominenter Co-Kommentator Bobby Charlton stammeln sich das Erkenntnis-Sammelkärtchen voll – dass sie etwa all diese kleinen Ablagen und Flicks ansonsten keinem Spieler der Welt zutrauen würden. Und es fallen immerhin Namen wie Michel Platini.
“Sie tanzen gerade nicht zu seinem Rhythmus”, bemerkt – hier einmal übersetzt – Motson, als eine Idee Diegos einen Mitspieler doch mal überfordert. Weil dieser Rhythmus allmählich zur Trance wird. “Ich fuhr nicht mehr bewusst, nur noch instinktiv”, erzählte Ayrton Senna einmal über seine wahrscheinlich herausragendste Qualifying-Runde 1988 in Monaco. “Ich war wie in einer anderen Dimension, eigentlich schon jenseits von meinem Limit, doch ich konnte immer noch mehr und noch mehr geben.” So muss sich, knapp zwei Jahre zuvor, auch Diego gefühlt haben.
Fußball wird immer ein Mannschaftssport sein. Deshalb aus Chronistenpflicht: Julio Olarticoechea, für Motson der am schwierigsten auszusprechende Name des Turniers, verbucht eine gute Schusschance, aufgelegt von Valdano. Ermöglicht aber erst durch einen scharfen Seitenwechsel Maradonas, der nun – beinahe – allein spielt. Diego beschäftigt die Belgier sogar mit Individualpressing, obwohl es diese Bezeichnung wahrscheinlich noch gar nicht gibt.
Was es schon gibt, ist sein legendäres Solo gegen England. In der 63. Minute gegen Belgien stellt er es ein kleines bisschen nach. 40 Meter vor dem Tor dreht Diego auf, während José Luis Cuciuffo den Tiefenlauf anbietet. Doch Maradona geht auf drei Belgier zu, schlüpft per Richtungswechsel durch die rechte Lücke und hat nur noch zwei Gegenspieler vor sich, die er durch seine Dynamik diesmal links überläuft. Ehe er den Ball im Fallen an Pfaff vorbei zirkelt – und den Fall, die Faust gereckt, noch abfängt. Woraus sofort ein ikonischer Jubellauf entsteht, der das Training mit Signorini dann doch rechtfertigt.
“Unglaublich!”, ruft Motson. “Weltklasse, im besten Sinne der Bedeutung. Und alles mit dem linken Fuß.” Argentinien 2, Belgien 0.

Die Ekstase wird übergriffig. Diego schnappt Olarticoechea den Ball vom Fuß, um einen technisch anspruchsvollen Beinschuss zu versuchen. Wenigstens der bleibt den Belgiern erspart.
Nur gut 20 Minuten noch, die “Roten Teufel” ereilt eine gewisse Hektik. Aber Diego bleibt voll drauf. “Here he goes again, they don’t know what to do”, begleitet Motson den nächsten Antritt, den nächsten Abschluss. Diesmal knapp am langen Eck vorbei. Sonst wäre Maradona sogar noch Torschützenkönig geworden. Aber er entscheidet, was hier passiert. “The defenders are absolutely helpless.” Sie ziehen und zerren und halten, es hilft alles nichts. Nicht an diesem Nachmittag, an dem zwar nicht die Hand, aber der linke Fuß Gottes den Himmel zu berühren scheint.
“Not this time”, entfährt es Motson, als ein Zuspiel auf Diego noch abgefangen wird – und klingt dabei fast schon erleichtert, weil er ja zur Unparteilichkeit angehalten ist, was ihm in diesen Momenten sicherlich schwerfällt. Selbst als Engländer.
WIE GUT WAR DIEGO MARADONA BEI DER WM 1986?
Belgien läuft nun an, Argentinien verwaltet – nur einer hört nicht auf zu rennen. Noch immer zeigt der Mann für die besonderen Momente von allen Spielern auch den meisten Einsatz. Diego schuftet für den großen Traum, ringt Gerets als letztem Mann die Kugel ab – woraufhin dieser ihn gar nicht erst fair zu stoppen versucht. Einsichtig.
Nicht zufällig erwähnt Motson Maradonas Führungsqualitäten (“The way the others react to him”), seine Reife im Vergleich zu 1982, als er schier unzählige Male getreten worden war – und einmal zu oft zurückgetreten hatte. Nein, diesmal war Diego nicht von seinem Weg abzubringen. Und seine Mitspieler wurden unweigerlich mitgerissen in diesem Sog in Richtung Triumph. Gerets muss noch mal herhalten, als Diego ihn und einen Ball verfolgt, den er eigentlich nicht mehr kriegen kann. “Surely he won’t reach that … goodness me, he did”, um es in Motsons Worten auszudrücken. Auf der Grundlinie mogelt sich Diego irgendwie vorbei, auf eine Art, die du nur hast, wenn du es unbedingt, unbedingt willst.
Kurz darauf findet sich Maradona nach einem langen Ball und dem nächsten Sieg im Laufduell erneut an der Grundlinie wieder. Im Finale wird ihm ein besonderer Moment genügen, hier erschafft er ein Dutzend. Von rechts schlenzt er einen Pass am übermütig herauseilenden Pfaff vorbei, sodass der heransprintende Valdano aus zwölf Metern nur noch ins leere Tor schießen muss. Er schießt drüber. Und wie reagiert Diego? Er applaudiert und motiviert seinen Kameraden. Immer noch. Auch diese Aktion spricht Bände. Die belgischen Köpfe senken sich.
Wenn Maradona am 25. Juni 1986 zu stoppen ist, dann von einem dieser seltsamen Abseitspfiffe. Linienrichter sind bei Weltmeisterschaften damals noch Schiedsrichter, die anderen Schiedsrichtern zur Seite gestellt werden. Ein Hattrick wird es im Tunnel des mexikanischen Monaco also nicht.
Als wertvoller als einen dritten Treffer empfindet Diego womöglich eine Einwechslung in den Schlussminuten. Ricardo Bochini, alternde Legende von Independiente und Maradonas Idol, bekommt von Trainer Carlos Bilardo seinen einzigen Kurzeinsatz im Turnier. Bochinis Halbglatze strahlt im Sonnenlicht mit Diegos Augen um die Wette, als die beiden auf Höhe der Mittellinie sogleich miteinander kombinieren, ehe dieser besondere Moment durch ein weiteres Foul an Maradona jäh unterbrochen wird. Sekunden später holen sie Verpasstes nach, Diego setzt Ricardo per Hacke ein. Diesen Pass hatte der junge Fan gespielt, nicht das neue Idol der Massen.
Dann sind sämtliche Schicksale an diesem Tag besiegelt – oder fast alle, bis Pfaff das Rennen um den Trikottausch mit Diego für sich entscheidet. Für die Belgier ist die Niederlage angesichts der göttlichen Intervention sogar einigermaßen verschmerzbar: “Wir haben nicht gegen Argentinien verloren”, bemerkt etwa Scifo. “Wir haben gegen Maradona verloren.” Gegen den wahrscheinlich besten Maradona, den es je gegeben hat. Gegen den unaufhaltsamsten Spieler, den ich je gesehen habe.

Toller Bericht über das 86er Belgienspiel. Ich finde es immer wieder interessant, dass dieses Spiel bei der Allgemeinheit so in Vergessenheit geraten ist, obwohl Maradona einige seiner besten Aktionen und Tore seiner gesamten Karriere gemach hat – und das in einem WM-Halbfinale. Viellleicht liegts daran, dass seine Aktionen im Viertelfinale einfach alles überschatten? Oder dass der Gegner Belgien war?