Michael Laudrup: DER MANN, DER DEN CLASICO INS WANKEN BRACHTE

“Ich habe 10:0 gewonnen”, behauptete Michael Laudrup, der Mitte der 90er den Unterschied zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona ausmachte. Und damit Recht hatte.

Das war die Höchststrafe. Auf dem Weg zur vierten Meisterschaft in Serie filetierte der FC Barcelona seinen Erzrivalen am 8. Januar 1994 mit 5:0. Eine Machtdemonstration. Das Camp Nou tobte.

Drei der Tore – das erste bleibt als einer der großen Clasico-Momente in Erinnerung – gelangen Barcas neuem Superstürmer Romario, der vor der Saison insgesamt deren 30 versprochen hatte und sich auf das Tor genau daran halten sollte.

Jenseits der Torschützen

Die Schlagzeilen werden meistens von den großen Namen geschrieben, die sich schließlich auch auf der Torschützenliste wiederfinden. Doch selbst im Zeitalter Lionel Messis und Cristiano Ronaldos waren es bei genauerer Betrachtung nicht selten die vermeintlich unauffälligen Zuspieler, die das wohl größte Duell des europäischen Spitzenfußballs prägten.

Die Tore ließ er gerne andere schießen. Doch der Architekt dieser königlichen Hinrichtung trug den Namen Michael Laudrup, und das 5:0 am Ende die Handschrift des dänischen Ausnahmespielmachers. Laudrup war es, der Real Madrid Angriff um Angriff entschlüsselte, sezierte und entblößte, ehe die Romarios dieser Welt sein Werk vollendeten.

Er war der Faktor, der Johan Cruyffs “Dream Team” erst zu einem solchen werden ließ. Was sich besonders bemerkbar machte, als sich der schwierige Holländer vor dem Champions-League-Finale 1994 mit seinem spielerischen Erben zerstritten und sich dagegen entschieden hatte, ihn gegen die AC Mailand aufzubieten.

Plötzlich sah Romario keinen Ball mehr, Barcas Offensive kam überhaupt nicht zur Geltung und Fabio Capellos Milan, das Cruyff noch für seine defensive Ausrichtung verspottet hatte, vernichtete dessen “Dream Team” in Athen mit 4:0. Romario war da, Stoichkov war da, Koeman war da, Guardiola war da. Aber Laudrup nicht, und das machte den Unterschied.

364 Tage später

Und zwar auch im Clasico am 7. Januar 1995, fast auf den Tag genau ein Jahr nach dem 5:0. Er endete wieder 5:0, diesmal allerdings für Real Madrid. Dessen Trikot der von Cruyff vergraulte Laudrup trug, der sich ausgerechnet dem Erzrivalen angeschlossen hatte.

Cruyff war immer noch da. Romario, Stoichkov, Koeman und Guardiola auch. Und Gheorghe Hagi war sogar neu dazugekommen. Doch Laudrup spielte nun für Real und entschlüsselte, sezierte und entblößte den FC Barcelona. Den Dreierpack schenkte er diesmal Ivan Zamorano.

Barca wurde nicht zum fünften Mal in Folge Meister, Laudrup schon. Was vom “Dream Team” übrig geblieben war, beendete die Saison sogar hinter Aufsteiger Betis.

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