Safet Susic: SUMMER OF ’79

Bevor Katar kam – und damit auch Zlatan Ibrahimovic, Neymar oder Lionel Messi – war Paris Saint-Germains größter Spieler Safet Susic. Der zur heutigen Mannschaft überhaupt nicht gepasst hätte.

Wenn man es schon so vielen Leuten recht machen muss, sollte man sich diese wenigstens aussuchen, dachte sich Safet Susic wahrscheinlich, seine ganze Karriere lang.

Darko Pancev war ein Stürmer, dem man es tatsächlich erst mal recht machen musste. Und so lauffaul, dass, nachdem er Roter Stern 1991 als Toptorjäger zum Europapokal geschossen hatte, sein Engagement bei Inter Mailand grandios scheiterte. “Seine Flanken waren unglaublich. Manchmal hat mich der Ball einfach gefunden, ohne dass ich es mitbekam”, schwärmte Pancev von Susic, dem “Besten, den Jugoslawien hatte”. Der Dank für die präzisen Flanken.

Ruhm, der Susic stets höchstens am Rand interessierte. Der 1955 geborene Bosnier hätte ja auch den Verein wechseln können, gehen können zu den jugoslawischen Granden Partizan, Roter Stern oder Hajduk. Im Fußball geht es doch um Titel. Er blieb bei den Seinen in Sarajewo und schaffte es trotzdem, Torschützenkönig und bester Spieler der Liga zu werden.

Er wurde dadurch auch “der beste Spieler, den der Großteil der Welt niemals gesehen hat”, beschwor Landsmann Vahid Halilhodzic – und Weltmeister Argentinien musste das im Sommer 1979 wohl oder übel bestätigen. Einige Wochen zuvor hatte Susic, der eigentlich hinter den Stürmern agierte, schon den Italienern in Zagreb drei Tore eingeschenkt. Gegen die Albiceleste gelang “Pape” dieses Kunststück in Belgrad gleich noch mal.

War er Stürmer? War er Spielmacher? War er eine falsche Neun? In seiner besten Zeit, ein paar Jahre vor und ein paar Jahre nach dem Sommer 1979, war Safet Susic eigentlich alles. Ein jugoslawischer Zico. Rechts, links, Pässe, Dribblings, Finten, Schüsse. Und unwiderstehliche Dynamik. Der komplette Angreifer. Von seiner “ausgeprägten Individualität” schwärmte Aleks Ristic einmal, und doch spielte Susic fürs Team.

Aber nie für ein ganz großes. 1982 wechselte Susic 27-jährig in den Westen – es wurde PSG, alles andere als ein europäisches Schwergewicht. Doch er wurde ein Schwergewicht bei PSG, das die Hauptstädter in seiner ersten Saison an der Seine schier im Alleingang zum Pokalsieger und 1986 erstmals zum französischen Meister machte.

Und wieder war da diese Treue, obwohl ein Safet Susic auch bei ganz anderen Vereinen hätte spielen können. Er blieb bis 1991, bis er es den Vereinsoberen, die ihm falsche Versprechungen machten und ihm eine Rolle im zweiten Glied aufzwängen wollten, nicht mehr recht machen wollte. Er ging schweren Herzens.

Doch die, die ihm nur zusahen, wussten bescheid.

Bosniens erste WM

Der Mann, dem der große Erfolg mit der Nationalmannschaft verwehrt blieb, obwohl er bei der WM 1990 Lothar Matthäus narrte und noch mal ein Tor schoss, sollte seine Anerkennung noch erhalten. 2010, ein Jahr vor Katar, wurde er vor Carlos Bianchi, Ronaldinho, George Weah, Rai, Dominique Rocheteau oder Luis Fernandez zum besten Spieler der PSG-Geschichte ausgezeichnet, 2012 zum besten ausländischen Spieler der Ligue 1.

2014 führte Bosniens wohl größter Fußballer sein Land dann als Trainer zur ersten und vorerst einzigen WM-Teilnahme, bei der sich die Verbandsoberen am Vorrunden-Aus störten. Daran störte sich Susic, also ging er wenig später wieder. Auf so etwas konnte er verzichten. Genauso auf Schmeicheleien wie den Ballon d’Or, bei dem er selbst 1979 nur auf Platz 15 gelandet war.

Es gab und gibt die Leute trotzdem, die zu schätzen wussten, was für ein außergewöhnlicher Fußballspieler Safet Susic war. “Auf jeden Fall in der Top 40 aller Zeiten” verortete ihn einst der als großer Fußballfachmann geltende Gerd Müller. Und viele solche Kaliber hat PSG selbst heute nicht.

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