Was hat die Fußballgeschichte nicht schon für tolle Spiele produziert. Aber natürlich gab es auch große Duelle, die uns verwehrt geblieben sind. Meine persönliche Top 5.
#5 – Liverpool gegen Milan, Landesmeister-Finale 1989
Liverpools Anhang hat es sich durch die Schandtaten von Heysel und die dazugehörige Sperre freilich selbst verbockt, doch ich bedauere sehr, dass Dalglishs furiose Mannschaft von 1988 nie die Chance hatte, sich im Europapokal zu messen. Dann hätte Sacchis revolutionäres Milan nämlich auch einen richtig großen Gegner gehabt. Und das vor rund 100.000 Zuschauern im Camp Nou. Eine Partie, die durch Liverpools Angriffskombinationen und Milans Spiel gegen den Ball ihrer Zeit weit voraus gewesen wäre. Dazu Barnes im Sprintduell mit Gullit, Beardsley auf engem Raum gegen Baresi. Hach, schade. Weil es Hillsborough in diesem Tagtraum auch nicht gegeben hätte.
#4 – Barca gegen Ajax, Champions-League-Finale 1995
Diese Nummer ist schnell erklärt. Ein Taktik-Epos zwischen Johan Cruyff und Louis van Gaal, mit ihren größten Mannschaften. Barcelonas “Dream Team” war 1994/95 zwar schon etwas über dem Zenit, doch für diesen Schlagabtausch hätte “König Johan” seine Truppe noch mal in Hochform gebracht. Dafür wäre Romario sogar rechtzeitig vom Karneval zurückgekommen. Ich bin zwar kein Taktik-Fanatiker. Aber dieses Duell, mit all den Gemeinsamkeiten und den feinen Unterschieden, hätte ich mir ganz genau angeschaut.
#3 – Deutschland gegen Italien, WM-Finale 1990
Argentinien war im Jahr der Wiedervereinigung natürlich der angenehmere Final-Gegner für Deutschland, ohne den gesperrten Caniggia sowieso. Man konnte sich auch für 1986 rächen und viele haben sich gern an Diegos Tränen aufgegeilt. Mindestens objektiv wäre ein Endspiel gegen Gastgeber Italien aber das weitaus würdigere Spektakel zum Abschluss eines besonderen Sommers gewesen. Die reizvolle Reifeprüfung einer großen deutschen Mannschaft gegen die Star-gespickte beste Defensive des Turniers, gegen die Himmelsstürmer Baggio und Schillaci, gegen eine euphorisierte Fußballnation im Olimpico zu Rom, im Land der damals besten Liga der Welt. Weil es ja nicht dazu gekommen ist, kann ich behaupten: Das wäre richtig hochklassig geworden.
#2 – Real gegen Barca, Champions-League-Finale 2012
Der Clasico ist das Spiel der Spiele, ob einem das nun passt oder nicht. Ein Champions-League-Finale zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona, was es bisher nie gegeben hat, würde eine im Vereinsfußball wohl einmalige Wucht erzeugen. Weil selbst die, die von all den Duellen Anfang der 2010er Jahre die Schnauze voll hatten, mindestens eine Präferenz einräumen mussten. Wenn nicht sogar deutlich mehr. Cristiano Ronaldo gegen Messi, Mourinho gegen Guardiola, Real gegen Barca. Und das 2012, als die Katalanen die Fußballwelt aus den Angeln gehoben hatten, den Madrilenen mit einer 100-Punkte-Rekordsaison aber die eindrucksvolle Antwort gelungen war. Diesen Gipfel hätte keiner verpasst.
#1 – Brasilien gegen Frankreich, WM-Finale 1982
Ja, das gab es im Viertelfinale vier Jahre später. Und was war das für ein Spektakel. Ich bin mir aber sicher: Noch stärker waren diese traumwandlerisch spielenden Mannschaften im Sommer 1982 in Spanien. Zumindest ihre wichtigsten Protagonisten Zico, Socrates, Giresse oder Platini. Dieser Showdown in einem WM-Finale im Bernabeu, zwei Fantasie-Mannschaften, die stets auch so herrlich unterhalten wollten. Wenn nicht die zynischen Italiener und die brutalen Deutschen den Titel unter sich ausgemacht hätten, sondern diese zwei “magischen Vierecke”, womöglich hätte sich der Fußball in den Folgejahren ein wenig anders entwickelt. Das schönste Spiel, das nie gespielt wurde.
PS: Hinter den gefetteten Stellen sind Links versteckt. Wie übrigens immer hier.
