WIE “NOBODY” PEREZ DER FIGO-COUP GELANG

Der sensationelle Wechsel von Luis Figo vom FC Barcelona zu Real Madrid im Sommer 2000 bleibt bis heute gewissermaßen einzigartig – vor allem, was seine Entstehungsgeschichte betrifft.

Vor ziemlich genau 25 Jahren standen sowohl bei Real Madrid als auch beim FC Barcelona Präsidentschaftswahlen an, nahezu gleichzeitig. Der kommende Barca-Präsident Joan Gaspart, zuvor jahrelang Vize, konzentrierte sich in diesen Wochen ausschließlich darauf, weshalb er dem vor allem finanziell unzufriedenen Fan-Liebling Luis Figo neuerliche Vertragsgespräche verweigerte. Gewagt.

Bei Real schien Präsident Lorenzo Sanz nach den Champions-League-Titeln 1998 und 2000 fest im Sattel zu sitzen, weshalb der in der Fußballwelt noch völlig unbekannte Außenseiter Florentino Perez wusste, dass er große Geschütze auffahren musste. Sein Plan: die Verpflichtung der Galionsfigur des Erzrivalen. Noch gewagter.

Perez’ Vorhaben war eigentlich unmöglich. Denn einerseits musste er Figo erst einmal zu diesem unverzeihlichen Schritt bewegen, andererseits hätte Real, wo Perez noch gar nichts zu sagen hatte, für eine Verpflichtung den Transfer-Weltrekord zerschmettern müssen – Figos Ausstiegsklausel lag damals bei umgerechnet rund 60 Millionen Euro. Doch der 53-jährige Bauunternehmer hatte eine Idee.

Über Figos Idol Paulo Futre, der in Madrid einst bei Atletico gespielt hatte, trat Perez mit seinem Wagnis an Figos Berater José Veiga heran. Durch eine versprochene Provision in Höhe von rund sechs Millionen Euro für die Spielerseite kam man ins Gespräch, dann zündete Perez seinen Masterplan.

Er ließ Veiga in Figos Auftrag einen vermeintlich harmlosen Vorvertrag unterschreiben, der Figo und seinem Berater in jedem Fall zwei Millionen Euro zusicherte und der nur gültig war, wenn Perez die Wahl gegen Sanz gewinnen würde – woran niemand ernsthaft glaubte. Außerdem beinhaltete der Vorvertrag eine ganz entscheidende Klausel, wonach die Seite des Portugiesen im Fall eines Vertragsbruchs 30 Millionen Euro an Perez zu zahlen hatte, der ebenfalls von einer drohenden Strafzahlung betroffen war.

Noch ehe Perez mit seinem sensationellen Wahlversprechen an die Öffentlichkeit gehen konnte, bekam ein Journalist Wind davon und posaunte es in die Welt hinaus, kurz darauf bestätigte Perez die Behauptung aber und unterstrich sie sogar – woraufhin ihn die Madridistas tatsächlich zu ihrem neuen Präsidenten wählten.

Figo, auch wenn er von Gaspart und Barca schwer enttäuscht war, wollte zu diesem Zeitpunkt eigentlich gar nicht wechseln, in diversen Interviews direkt aus seinem Sardinien-Urlaub dementierte er selbst jetzt noch alle Gerüchte. Einmal sogar im Barca-Trikot. Mindestens Veiga hatte seinen Klienten aber in eine Lage gebracht, aus der sich dieser nur noch durch 30 Millionen Euro hätte manövrieren können. Figo musste quasi wechseln.

Doch weil vor allem Ehefrau Helen gegen den Umzug rebellierte, stand Figo im Rahmen eines kurzfristigen Treffens mit Veiga, Futre und Perez in Lissabon wahrhaftig weiterhin vor einer Absage. Die Strafe wäre womöglich eher an Veiga hängengeblieben. Als Perez sämtliche Millionen aber Millionen sein ließ und den Flügelstürmer mit einer Brandrede umgarnte, ihn als Grundstein für das “Galactico”-Projekt beschrieb, spürte Figo laut eigener Aussage die Wertschätzung, die er von der Vereinsführung in Barcelona stets vermisst hatte.

In dieser Nacht vor inzwischen 25 Jahren unterschrieb er also bei Real Madrid, das die immense Ausstiegsklausel zahlte und den Erzrivalen dadurch zum Zuschauen zwang.

In der Hauptstadt wurde Figo Ballon-d’Or-Gewinner, Weltfußballer und CL-Sieger, Barca hingegen gewann fünf Jahre lang keinen Titel mehr. Gaspart musste schon 2003 seinen Posten räumen, Perez regiert noch heute. Ein Geniestreich. Blockbuster-Material.

Noch ausschweifender und detaillierter über diese Geschichte habe ich HIER für den kicker geschrieben – als Teil meiner wöchentlichen History-Kolumne “Aus dem Hintergrund”. Die findet zwar hinter der Bezahlschranke statt, aber vielleicht ist sie Euch ja ein kicker+-Abo wert.

Facebook
Twitter
Instagram

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert